Appearance
Google Ads verstehen
Dieses Kapitel erklärt die Google-Ads-Konzepte, die man braucht, um unsere Konten zu lesen und Entscheidungen nachzuvollziehen — ohne Vorwissen.
Kampagnentypen
Bei uns laufen zwei Typen:
Search (Suchkampagnen)
Textanzeigen in den Google-Suchergebnissen. Wir bestimmen die Keywords, auf die die Anzeige erscheinen soll. Der Nutzer hat eine aktive Suchabsicht („fettabsaugung hamburg") — deshalb ist Search-Traffic meist die höchste Qualität.
Kennzeichen in unseren Kampagnennamen: [HS] (Hamburg Search), [BS] (Bergisch Gladbach Search), [S], [B] (Brand).
Performance Max (PMax)
Google spielt Anzeigen automatisch über alle Kanäle aus (Suche, Display, YouTube, Gmail, Maps). Wir liefern nur „Assets" (Texte, Bilder, Videos) in Asset-Gruppen — Google entscheidet, wem was wo gezeigt wird. Weniger Kontrolle, dafür mehr Reichweite.
Kennzeichen: [HM] (Hamburg PMax), [BM] (Bergisch Gladbach PMax), [M].
Praktische Konsequenz
Bei Search können wir per Suchbegriffs-Bericht und Negativ-Keywords präzise steuern. Bei PMax sehen wir viel weniger — dort ist die wichtigste Kontrolle der Conversion-Mix (holt die Kampagne Buchungen oder nur billige Anrufe?).
Die Auktion: Anzeigenrang & Qualitätsfaktor
Bei jeder Suche läuft eine Auktion. Die Position bestimmt der Anzeigenrang:
Anzeigenrang ≈ Gebot × Qualitätsfaktor (+ Erwartete Wirkung von Assets)
Der Qualitätsfaktor (QS, 1–10) bewertet pro Keyword: erwartete Klickrate, Anzeigenrelevanz, Nutzererfahrung der Zielseite. Ein hoher QS senkt den Klickpreis — man kann mit weniger Gebot denselben Rang erreichen.
- QS 7–10: gut, nichts tun
- QS 5–6: okay, beobachten
- QS ≤ 4: Problem — Anzeige passt nicht zum Keyword oder Zielseite passt nicht. Kostet bares Geld.
- QS 0 / „–": zu wenig Daten (kein Alarmsignal, aber auch kein Freifahrtschein)
Keyword-Optionen (Match Types)
Bestimmen, wie genau eine Suchanfrage zum Keyword passen muss:
| Typ | Schreibweise | Beispiel-Keyword | Matcht z. B. | Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Exact | [fettabsaugung hamburg] | fettabsaugung hamburg | „fettabsaugung hamburg", „hamburg fettabsaugung" | gering |
| Phrase | "fettabsaugung" | fettabsaugung | „fettabsaugung kosten", „was kostet fettabsaugung" | mittel |
| Broad | fettabsaugung | Klinik für Brustvergrößerung | fast alles thematisch Verwandte — auch Konkurrenznamen und Abwegiges | hoch |
Broad Match in unseren Konten
Unsere Broad-Keywords matchen regelmäßig auf fremde Kliniken und Ärzte („aesthetify frankfurt", „proaesthetic heidelberg", „dr galla köln") und Abwegiges („tabletten zum abnehmen"). Das ist der Hauptgrund, warum der Suchbegriffs-Check wöchentlich Pflicht ist und Negativ-Listen gepflegt werden müssen.
Gebotsstrategien
Die Gebotsstrategie legt fest, wofür Googles Algorithmus optimiert. Das ist die wichtigste Einzeleinstellung einer Kampagne.
Manuelle Strategien
- Manueller CPC: Man setzt Klickpreise selbst. Volle Kontrolle, keine Automatik. Heute kaum noch sinnvoll, außer für Spezialfälle.
- Klicks maximieren: Holt möglichst viele Klicks fürs Budget. Optimiert auf Traffic, nicht auf Buchungen — nur für reine Reichweiten-Tests.
Smart Bidding (conversion-basiert)
- Conversions maximieren: Holt möglichst viele Conversions — egal welche. Eine Terminbuchung zählt gleich viel wie ein Telefonnummer-Klick. → Neigt dazu, die „billigste" Conversion-Art einzusammeln (bei uns: Anrufe).
- Conversion-Wert maximieren: Optimiert auf die Summe der Conversion-Werte. Da wir Werte gewichtet haben (Buchung = 10, Anruf = 9, Formular = 8, Klick = 1), bevorzugt diese Strategie wertvollere Aktionen. → Unsere Zielstrategie für Kampagnen mit genug Volumen.
- Ziel-CPA (tCPA): Wie Conversions maximieren, aber mit Kostenziel pro Conversion.
- Ziel-ROAS (tROAS): Wie Wert maximieren, aber mit Rendite-Ziel (Wert ÷ Kosten).
Sichtbarkeits-Strategie
- Ziel-Impression-Share: Optimiert darauf, bei X % der Suchen zu erscheinen (z. B. Brand-Kampagnen: immer oben stehen, wenn jemand die Klinik sucht). Optimiert nicht auf Conversions — Conversion-Regeln gelten hier nicht.
Wann welche Strategie?
| Situation | Strategie |
|---|---|
| Kampagne hat ≥ 15–30 Conversions in 30 Tagen und gewichtete Werte | Conversion-Wert maximieren |
| Kampagne hat wenig Volumen (< 15/30 T.) | Conversions maximieren (oder Portfolio-Strategie mit anderen bündeln) |
| Brand-Schutz (eigener Name) | Ziel-Impression-Share |
| Conversion-Mix wird von Anrufen dominiert (> 50 %) | Wechsel auf Wert-Bidding prüfen → Entscheidungsregeln |
Lernphase — Finger weg
Nach jeder Strategie-Änderung geht die Kampagne in die Lernphase (Status LEARNING_NEW, ca. 1–2 Wochen, bis zu ~50 Conversions). In dieser Zeit schwankt die Leistung. Während der Lernphase keine weiteren Änderungen an Strategie, Budget (±20 % ist okay) oder Struktur — sonst startet die Phase neu und man kann die Wirkung nie beurteilen.
Conversion-Tracking
Eine „Conversion" ist jede Aktion, die wir Google als wertvoll gemeldet haben. Nicht jede Conversion ist eine Buchung!
Primär vs. sekundär
- Primäre Conversion-Actions fließen in die Spalte „Conversions" ein und steuern das Bidding.
- Sekundäre werden nur beobachtet (Spalte „Alle Conversions").
Unsere wichtigsten Actions (Konto Spanholtz):
| Action | Herkunft | Wert | Status |
|---|---|---|---|
terminbuchung_abgeschlossen | GA4 | 10 | primär — die einzige „echte" Buchung |
| Anrufe von Anzeigen | 9 | primär | |
kontaktformular_gesendet | GA4 | 8 | primär |
click_telefonnummer | GA4 | 9 | sekundär (seit Juli 2026 korrekt) |
| Social-/Outbound-Klicks | GA4 | 0–1 | sekundär |
Unsere Wertgewichtung
Die Werte (10/9/8/1) sind keine Euro-Beträge, sondern bewusste Gewichtungen: eine Buchung ist uns am wichtigsten, ein Anruf fast gleichwertig, ein Formular etwas weniger, ein bloßer Klick fast nichts. „Conversion-Wert maximieren" nutzt genau diese Gewichtung.
Das 18-%-Problem
Kontoweit sind nur ~18 % der gemeldeten Ads-Conversions echte Terminbuchungen (Messung 90 Tage, Stand Juli 2026). Der Rest sind Anrufe (~29 %) und Kontakt-/Social-Klicks. Deshalb: Entscheidungen immer auf echten Buchungen basieren, nie auf der rohen Conversion-Spalte.
Ad Strength (Anzeigenstärke)
Google bewertet responsive Suchanzeigen (RSA) und PMax-Asset-Gruppen mit Poor / Average / Good / Excellent. Bewertet wird die Vielfalt und Abdeckung der Texte (Anzahl Headlines, Keyword-Bezug, Varianz) — nicht direkt die Performance. Trotzdem korreliert „Poor" mit schlechterem Anzeigenrang und teureren Klicks.
Stand Juli 2026 haben 394 von 398 aktiven Anzeigen im Spanholtz-Konto Ad Strength „Poor" — die größte strukturelle Baustelle des Kontos.
Anzeigen-Freigabestatus (Policy)
Als Healthcare-Werbetreibender gelten für uns Sonderregeln:
| Status | Bedeutung | Handeln? |
|---|---|---|
APPROVED | freigegeben | — |
APPROVED_LIMITED | freigegeben mit Einschränkungen (z. B. keine personalisierte Werbung bei Gesundheitsthemen) | Normal bei uns — kein Handlungsbedarf |
AREA_OF_INTEREST_ONLY | läuft nur bei Interessens-Targeting, nicht bei Standort-Aufenthalt (typisch: Intim-Kampagnen) | normal, hinnehmen |
DISAPPROVED | abgelehnt — Anzeige läuft nicht | sofort prüfen und fixen |
AI Max
AI Max ist eine Einstellung für Suchkampagnen, die Googles KI mehr Freiheiten gibt: breiteres Keyword-Matching, automatisch erstellte Anzeigen-Texte, URL-Erweiterung (Google wählt Zielseiten selbst).
- Sinnvoll: bei regulären Performance-Kampagnen mit Conversion-Bidding, wenn man die Suchbegriffe danach engmaschig kontrolliert.
- Nicht sinnvoll: bei Brand-/Schutz-Kampagnen (z. B.
Search_PRESERVE_DE) und bei Ziel-Impression-Share-Kampagnen — dort unterläuft die Ausweitung genau die gewollte Kontrolle.
Impression Share (Anteil an möglichen Impressionen)
Wie oft wurde unsere Anzeige gezeigt, gemessen an allen Suchen, bei denen sie hätte erscheinen können?
- Budget-Verlust (
search_budget_lost_impression_share): Anteil verpasst, weil das Tagesbudget erschöpft war. → Mit mehr Budget sofort lösbar. - Rang-Verlust (
search_rank_lost_impression_share): Anteil verpasst, weil Gebot × Qualität nicht reichten. → Nur durch bessere Anzeigen/Keywords/Gebote lösbar.
Diese Unterscheidung ist zentral: Budget-Verlust bei einer gut laufenden Kampagne = Geld liegt auf der Straße. Rang-Verlust = strukturelles Qualitätsproblem.
Technisches: Micros
Die Google-Ads-API (und damit MCP-Abfragen) liefert alle Geldbeträge in Micros: cost_micros ÷ 1.000.000 = Euro. Beispiel: 884184459 Micros = 884,18 €.